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Das Gasthaus zur Krone – Wir beginnen die Zeitreise in Mösbach mit dem Jahr 1826

Stein 1826 An derselben Stelle mitten im Ort Mösbach gab es bereits im 17. Jahrhundert das Gasthaus zur Krone, bis zum denkwürdigen Tag des Großbrandes, der das Haus zerstörte. Die Krone aber begann 1826 ihr zweites, langes Leben: Der damalige Kronenwirt Friedrich Armbruster (geboren 1800) baute das Haus in Fachwerk wieder auf und bewirtschaftete es auch bis zu seinem Tod 1838.

In einem Dorf wie Mösbach war das Gasthaus weit mehr als ein Ort zum Essen und Schlafen — es bildete das soziale, wirtschaftliche und kommunale Zentrum des Dorflebens. Das Wohnzimmer der Dorfbevölkerung. Bald entstand ein Anbau mit einem Gaststall für die Pferde der durchreisenden Fuhrleute, vier Fremdenzimmer für Handwerker und Reisende. Mösbach lag an wichtigen Wegen, etwa für den Holztransport, und bot vier Fremdenzimmer.

Nicht nur Hochzeiten, Versammlungen und Vereinsgründungen fanden in der Krone statt. Es gab ein Tanzhäuschen und der Hochzeitsgeiger Andreas Bürk spielte in dieser Zeit zum Tanz auf. Erst ab 1850 gab es die Musikkapelle „Harmonie“ in Mösbach, die fortan im Dorf musizierte. 1891 wurde der Männergesangverein gegründet…vielleicht auch in der Krone, als talentierte Männerkehlen zusammen am Stammtisch sangen? Mösbach war landwirtschaftlich geprägt und nach der Feldarbeit kamen Bauern und Winzer auf ein Glas Wein oder Bier. Hier wurden Preise für Getreide oder Vieh besprochen. Oft traf man sich am Stammtisch und tauschte beim Kartenspiel die Neuigkeiten aus.

1840 übernahm Anton Sauer (1789-1868) die Krone. In der Badischen Revolution (1848/49) diente sie als Versammlungsort für Diskussionen. Anton und seine Frau hatten sechs Kinder, die das Haus belebten. So lag es nahe, dass eines der Kinder das Gasthaus weiterführte. Sohn Bernhard Sauer (1817 – 1877) übernahm diese Rolle. 30 Jahre später, 1883 kam Anselm Hähnle als Wirt. Er bot Treffpunkt für alle – vom Tagelöhner bis zum Bürgermeister. 1898 baute er eine Holzkegelbahn in den Garten, wo die Buben vom Ort für ein paar Pfennig die Holzkegel aufstellten, damit die Gäste gut unterhalten waren. Nach seinem frühen Tod erbte Bruder Rudolf Hähnle, dann ging es an Josef Hund I. über. 1889 eröffnete der Grüne Baum – Mösbachs Wohlstand durch Obstbau (Kirschdorf) und die Nähe zur Heil- und Pflegeanstalt Illenau (1842) ermöglichte zwei Gasthäuser.

Krone um 1900 1900 kaufte August Sutterer aus Waldulm die Krone. Er baute 1903 eine Brennküche, erhielt Schnapsausschank-Lizenz und ließ die Theke umbauen (heute noch sichtbar). Es gab einen Bajazzo-Spielautomat in der Gaststube, der Tanzboden im zweiten Stock des Hauses wurde rege genutzt. Auch der Mittelpunkt des Dorfes war die Viehwaage genau gegenüber und dieser kommunale Treffpunkt lotste auch die Fuhrwerkbesitzer auf ein Bier in die Krone. Am gleichen Platz stand und steht heute noch das große Barockkreuz von 1764 als Andachtsort für die Bürger, denn eine Kirche wurde erst 1861 gebaut.

Im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen wurde die Krone verputzt und erhielt auf beiden Seiten zu den Straßen hin die Aufschrift „Gasthaus zur Krone“ Leider verstarb der rührige und engagierte August (1868-1913) schon früh, so auch seine Frau Helena Panther im Jahr 1924. Tochter Anna heiratete 1919 Emil Löw aus Hügelsheim, so gab es keinen Nachfolger für das Gasthaus.

Preisliste 1926 Karl Sutterer III. kaufte das Gasthaus 1919, wohnte dort mit seiner Ehefrau und die Kinder Johanna (1920), Ernst (1921) und Gisela (1926) kamen dort zur Welt. 1925 baute man ein Backhäusle und schon im Jahr darauf feierte man 1926 das 100-jährige Jubiläum des Gasthauses in den „Goldenen Zwanzigern“, in bewegten Zeiten kurz nach der Hyperinflation. Die Stimmung unter den Dorfbewohnern war wieder optimistisch und auf dem Land konnte ruhig und traditionell gelebt und gewirtschaftet werden. Das Vereinsleben blühte auf und die Landwirtschaft im Umland sorgte für zahlende Kundschaft.

Sohn Ernst fiel 1945 im Krieg, Tochter Johanna heiratete 1948 einen Juristen aus Freiburg und zog mit ihm in seine Heimat. 1954 heiratete die Jüngste Gisela, den Franz Doll aus Waldulm. Giselas Vater, der Kronenwirt Karl Sutterer, war hocherfreut über den Fleiß seines Schwiegersohnes und baute mit ihm das Getränkegeschäft aus. Das Gasthaus war seit Langem eine Bierablage und so unterstützte die Firma Meyer & Söhne (später Riegeler Bier) tatkräftig mit dem notwendigen Zubehör. Die umliegenden Steinbrüche bis hoch nach Ottenhöfen, das Kieswerk Ossola und andere Fabriken hatten durstige Arbeiter, denen man das Bier in Kühlschränken mit Eisblöcken aus den Eiskellern in die Unternehmen brachte.

Preisliste 1926Franz Doll war stark im Getränkehandel eingebunden und widmete sich vollkommen diesem Geschäft und seiner Spedition, Gisela führte die Gastwirtschaft. Die Blütezeit der Krone erlosch mit dem Ableben des Alt-Kronenwirtspaares. Franz und Gisela blieben kinderlos und somit gab es keine Nachfolger.

Als Gisela älter und krank wurde, gab es lediglich noch ein Bier, ein Schorle und für die Buben, die den Großvater oder Vater zum Stammtisch begleiteten, eine Bluna und warme Brezeln. Dieses Bild ist vielen älteren Dorfbewohnern noch lebhaft vor Augen. Als Gisela 1992 mit 66 Jahren starb, blieb die Gaststube verwaist und verfiel in den Dornröschenschlaf. Lediglich ein paar Fahrer der Spedition und die treuen Seelen vom Dorf kamen auf ein Flaschenbier in die Krone.

Nach jahrelangem „Leerstand“ entschied sich Franz, das Gasthaus zu verpachten. So kam es, dass wir seit 1994 dieses ehrenwerte Haus bewohnen und bewirtschaften dürfen. Als wir hierherkamen, fanden wir ein Haus vor, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Die Einrichtung der Gaststube war noch wie 1960, die Schränke voll mit altem, dickem Wirtshausgeschirr, das Mobiliar von anno dazumal. Der Ofen stand in der Mitte des Gastraumes und das Ofenrohr verlief quer durch den Raum. Der alte Linoleumboden versprühte den Charme der letzten Blütezeit des Gasthauses.

Im Zuge der 3-monatigen Renovierung in 1994 haben wir den ehrwürdigen Bestand des Hauses erhalten und aufgefrischt und daraus wieder ein Wohnzimmer für die Bevölkerung gemacht. Franz heiratete Priska Köninger aus Mösbach und überschrieb ihr das Gasthaus und das Nebengebäude. Franz starb 2008 mit 83 Jahren. Nach Priska Köningers Tod im Jahr 2025 ging der Besitz an ihre Kinder und Enkelkinder über.

200 Jahre nach dem Wiederaufbau steht die Krone noch immer mitten im Ort.

Sie hat Brände, Revolutionen, Weltkriege, Inflation, Wirtschaftswunder und Strukturwandel erlebt. Und doch ist sie geblieben, was sie immer war: Ein Ort der Begegnung.
Ein Stück Mösbacher Geschichte.
Ein Zuhause für Generationen.
Wir sind stolz darauf, ein Teil dieser Geschichte zu sein!

Quellen: Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Achern

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